Fotoamateure Maintal zu Gast

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Dienstag den 15.09.09, die Fotoamateure Maintal bei uns zu Gast

Beide Clubs zusammen bildeten eine imposante Kulisse für einen Clubabend, der das Thema Fotografie zum Thema hat.

Um es vorweg zu sagen, was wir zu sehen bekamen waren meist hervorragende Aufnahmen. Makrofotografie von Blumen, Pflanzen und Insekten von erlesener Qualität. Besser geht nicht. Eine ganze Menge abstrakter Fotos, bestehend aus Linien und Formen. Viele Architekturaufnahmen von sehr guter Qualität, sachkundiger Farbgestaltung und tollen Perspektiven.
Und zum guten Schluß Portrait und Aktaufnahmen in außergewöhnlicher Präsentation, die professionellen Aufnahmen in keiner Weise nachstehen.

 So waren die am häufigsten verwendeten Worte des Abends: "goldener Schnitt, Diagonale, Schärfe und Farbgestaltung". Bilder allesamt, die gemacht wurden um ein Urteil wie: "schön, toll, super" einzuheimsen. Mein obiges Urteil wurde letztlich aus dem Blickwinkel der Amateurfotografie gefällt.
Denn eins störte bei der Betrachtung ungemein. Die Frage nach Inhalten.

Linien, Perspektiven und Farben ersetzen Inhalte, so eine der Aussagen. Yin und Yang, zwei Begriffe aus der chinesischen Philosophie, kunstvoll in ein Kiesbett gezaubert, sind bedeutungslos, wenn daraus ein schönes Foto, nur aus Linien bestehend, entsteht. Ein Portrait gilt als gelungen, wenn das Licht gut ist, die Augen scharf, der Hintergrund verschwommen und Platz für den Blick vorhanden ist. Person, Situation., Gefühle, Stimmungen, Humor sind unwichtig, wenn nur die bescheidenen Kriterien der Amateurfotografie erfüllt sind.

Ob ich Zeuge einer sehr intimen Situation bin, als eine junge Frau ihre Lippen schminkt oder durch ihre Blickrichtung in die Kamera, wie Ellen bemerkte, nur Zeuge bei der Entstehung einer Fotografie, .......bedeutungslos. Der weiße Fleck am oberen Bildrand wird so zum zentralen Thema.
Eine weitere Aussage möchte ich etwas zurechtrücken. Es entstehen Milliarden von naturalistischen Fotos, die kein Mensch braucht. Aber Bilder ohne Inhalt braucht auch kein Mensch. Während erstere den Sinn haben, Erinnerungen zu konservieren sind letztere ein Spiel, ein schönes Spiel mit Schönheit und Ästhetik. Aber brauchen?

Wer wie ich eine Hochzeit hinter mir und einen runden Geburtstag vor mir hat, weiß diese Erinnerungsfotos zu schätzen. Sie erzielen mit Sicherheit mehr Aufmerksamkeit als andere Fotografien von mir aus dieser Zeit.

 Die Amateurfotografie läßt sich aus meiner Sicht, von Ausnahmen abgesehen, auf den Begriff: "schön" reduzieren. Die beschworene Freiheit des Fotografen bekäme durch das erweitern dieses Spektrums deutlich mehr Inhalt.

Reimund Wich-Reif